ISO 9001:2025, Neuerungen im Qualitätsmanagement in Sicht

Bei der ISO 9001:2025 werden Überlegungen zu Veränderungen in den folgenden Bereichen diskutiert: Nachhaltigkeit (ESG-Themen), chancenbasiertes Denken, Integration neuer Technologien, Dokumentation und Führungsansätze.

Nachdem Anfang Dezember in London ein erstes Meeting der Arbeitsgruppe für die Überarbeitung der ISO 9001 für Qualitätsmanagementsysteme (ISO TC 176) stattfand, wurden Anfang Februar erste Themen, die diskutiert werden, veröffentlicht. Schon im April soll mit dem Committee Draft ein erster Entwurf für die überarbeiteten Fassungen vorliegen.

Die zuvor verfasste „Design-Spezifikation“ für das Projekt, welche den Scope der Revision umreißt, wurde als Leitfaden bestätigt. Als relevant wurden u.a. ESG-Themen identifiziert. Die Abkürzung „ESG“ steht für Environmental, Social und Governance. Somit könnte die Bewertung von Unternehmen hinsichtlich der drei Aspekte Umwelt (z.B. Ressourcen- und Artenschutz), Soziales (z.B. Arbeitsbedingungen und -sicherheit) und Unternehmensführung (z.B. Schutz vor Ausbeutung oder Korruption) Einzug in die überarbeitete Norm finden.

Ein weiterer relevanter Aspekt wird die Überarbeitung der Risikobetrachtung sein. Das „risikobasierte Denken“ soll von einem „chancenbasierten Denken“ abgegrenzt werden. Durch eine Entkopplung der beiden Themen bei der Bewertung von Veränderungen im Kontext der Organisation verspricht man sich eine differenziertere Bewertung einer VUKA-Welt. Das Akronym steht für volatil, unsicher, komplex und ambivalent und charakterisiert eine Geschäftswelt, die sich mit Risiken und Chancen auseinandersetzen muss, wie z.B.: 

  • abnehmende Halbwertszeit von Fähigkeiten und Wettbewerbsvorteilen,
  • verschwimmende Grenzen zwischen Branchen,
  • veränderte Wertschöpfung, verstärkt durch Technologie,
  • schnelle Entwicklungen von Technologien, z.B. Einsatz von KI.

Eine weitere mögliche Änderung der Norm könnte die Dokumentationsanforderungen betreffen sowie eine Anpassung bei der Einbindung eines Qualitätsmanagementsystems in die Leitung von Unternehmen und Organisationen. In einem Anhang zur Norm sollen Hinweise zur Vermeidung von Fehlinterpretationen enthalten sein. Die „Harmonized Structure“ als Rahmenvorgabe für alle ISO-Managementsystemnormen wird erhalten bleiben.

Auf Grundlage der diskutierten Themen wird als nächstes ein erster interner Entwurf für die überarbeitete ISO 9001 – ein sogenannter „Working Draft“ – erarbeitet. Schon im April soll mit dem Committee Draft ein erster Entwurf für die überarbeiteten Fassungen vorliegen.

Die Abfolge eines ISO Normen-Revisionsprozesses ist wie folgt:

  • Anwendungsbereich und die Ziele (Design Specification), Arbeitsentwürfe (Working Drafts / „WD’s“),
  • Komitee-Entwurf (Committee Draft / „CD“),
  • Internationaler Normentwurf (Draft International Standard / „DIS“),
  • Internationaler Schlussentwurf (Final Draft International Standard / “FDIS”) und letztendlich die 
  • Internationale Norm (International Standard).

Als Veröffentlichungstermin der neuen Norm wird Dezember 2025 angestrebt.

 

 

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